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Freitag, 1. Mai 2015

Von Kambodscha nach Vietnam – Eine Busfahrt die ist lustig …oder… die Irrungen und Wirrungen eines Grenzübergangs


Irgendwann war es soweit und so hieß es nach vier Wochen Abschied nehmen von Kambodscha und besonders von Dieter und seinem hervorragenden deutschen Essen, das wir auf der Weiterreise sehr vermissen würden ;)

Wir hatten einen Bus gebucht, der uns von Siem Reap über Phnom Penh in schlappen 12 Stunden nach Saigon, Vietnam bringen sollte. Leider blieb es nicht ganz bei dieser Zeitangabe und wir verbrachten mehr als 15 Stunden in verschiedensten „topmodernen kambod­schanischen Fernreisebussen“, in denen die Temperatur meist entweder irgendwo um den Gefrierpunkt oder im Saunabereich lag.
Aus spartechnischen Gründen hatten wir uns natürlich wieder für den local Bus entschieden und waren somit auch erneut die einzigen „Langnasen“, also Nicht-Asiaten in besagten Bussen. Der erste Teil der Fahrt führte uns von Siem Reap nach Phnom Penh, wo wir eine knappe Stunde am Busbahnhof warten mussten. Schon bei der Fahrt von Sihanoukville nach Siem Reap zwei Wochen zuvor hatten wir in Phnom Penh umsteigen und dort warten müssen. Vermutlich stellt ihr es euch genau richtig vor – schon bei der Ankunft des Busses wird man von Menschen umzingelt. Alle wollen einem Transportmöglichkeiten anbieten, manche schnappen sich bereits dein Gepäck und wollen auf und davon. Da heißts ruhig bleiben, Gepäck festhalten und behaupten man habe bereits eine Weiterfahrt gebucht, egal ob dem so ist oder nicht. Nur so wird man in Ruhe gelassen, kann kurz überlegen wo man eigentlich hin will und dann selber ein TukTuk eine Straße entfernt zum halben Preis nehmen ;)
Das aber nur so nebenbei.


Am Busbahnhof angekommen warteten wir also auf unsere Weiterfahrt nach Saigon. Das verläuft meist recht chaotisch. Ich versuchte zu erfahren welche Busnummer es sein würde und wann es weiter gehen sollte, daraufhin wurden uns unsere Bustickets abgenommen, gestempelt und auf die – nennen wir sie „schwer bis unverständlichen“ – Lautsprecher­durchsagen verwiesen. Und so saßen wir da und lauschten auf das einzig wichtige Wort – Saigon!
Irgendwann wurden wir in einen sehr komfortablen Minibus verfrachtet und vom Busbahnhof weggebracht. Zwei Straßen weiter hieß es aber schon wieder aussteigen und wieder warten. Insgesamt ist die Bewältigung jeglicher Strecken in südostasiatischen Ländern vor allem mit einem verbunden… warten ;)

Dieses Mal wurden wir beim Warten kritisch beäugt, unsere Tickets mehrfach herumgereicht und das Englisch ließ auch schwer zu wünschen übrig. Soweit wir das verstanden haben, mussten die Tickets hier abgegeben und neue für die Weiterfahrt ausgestellt werden. Schließlich wurden wir wohl mit einer Frau und zwei anderen Männern in eine Gruppe gesteckt, wir alle bekamen dieselben Gepäckaufkleber mit einer Nummer und die Frau bekam unsere Tickets in Form eines Gruppentickets. Sowas find ich ja immer nicht sehr vertrauenserweckend. Kein Mensch spricht Englisch, Tickets selber behalten ist nicht und man latscht doof hinterher, weil einem keiner erklären kann was Sache ist.
Letztendlich saßen wir aber im Bus und nach nur zweimal Umsetzen, was uns wild gestikulierend und Khmer redend mitgeteilt wurde, anscheinend auch auf den für uns vorbestimmten Plätzen ;)


So ging es dann auch weiter. Stundenlang ging die Fahrt, beinahe endlos erschien sie uns. Die zuvor angegebenen sechs Stunden wurden jedenfalls nicht eingehalten. Wir versuchten mehrfach herauszukriegen wo wir uns gerade befanden, wann wir die Grenze überqueren würden und wann bzw. wo wir ankommen sollten.
Zudem wurden unsere Pässe eingesammelt, was ein wirklich ungutes Gefühl hinterlässt. Immerhin sind deutsche Pässe in Kambodscha auf dem Schwarzmarkt gute 500 Dollar wert ;)
Auf der gesamten Reise galt immer – alles ist ersetzbar, das wichtigste ist Kreditkarte und Reisepass. Auch Kreditkarten kann man sperren lassen, einen Pass in einem solchen Land zu ersetzen ist durchaus möglich, kann aber dauern und so hatten wir unsere Pässe stets bei uns gehabt. Bis zu diesem Tag… wir beobachten das Geschehen und nachdem auch jede Menge andere Businsassen ihre Pässe abgaben, entschieden wir uns eben dazu das gleiche zu tun.

Die Fahrt ging weiter, zwischen durch fuhr unser Bus sogar auf eine klapperige Fähre, mit der wir den Mekong überquerten. Immer wieder hielten wir an und die unvermeidlichen Spinnen- und Insektensnacks wurden gekauft.
Die Zeit zog sich, die übliche kambodschanische Karaokemusik plärrte uns ins Ohr, während es draußen dunkel wurde, die Landschaft immer schwieriger wahrzunehmen war und die Grenze keinen Meter näher zu kommen schien. Auf unsere Fragen bekamen wir auch keine Antwort, logischerweise hatte sich schließlich weder das Englisch des Busfahrers noch das des mitfahrenden Busbegleiters unterwegs auf wundersame Weise verbessert ;)



Es war also schon stockdunkel als wir die Grenze endlich erreichten. Da wir kein Wort verstanden entschieden wir uns für die einzig sinnvolle Taktik – hinterher laufen und genau das tun, was alle anderen machen. Aussteigen, Gepäck aus dem Bus holen und los. So ging es von einem Schalter zum nächsten, am ersten durften nur die Vietnamesen direkt einreisen, am zweiten wurden wir weiter geschickt und so landeten wir in einem Raum mit zwei weiteren Schaltern. Dort sahen wir zum ersten Mal unsere Reisepässe wieder. Sie lagen ziemlich weit unten in einem ganzen Stapel Pässe. Langsam wurde uns auch das System klar. Der Bus­begleiter hatte alle Pässe eingesammelt und bereits zu Beginn an einem der Einreiseschalter vorgelegt. Hier wurde das Visum geprüft, das ja schon vor Einreise beantragt werden musste und ein Stempel gemacht. Danach wurde jeder Name der Reihe nach aufgerufen, Pass abholen und durch zur Gepäckkontrolle.
Bis zu uns wurden nur asiatische Namen aufgerufen, logisch, waren ja auch nur Asiaten da :) – weder meinen noch Manus Namen konnten sie aussprechen. Ein kurzer Versuch, ein Lachen und schon war klar, dass wir gemeint waren und wir konnten endlich unsere Reisepässe wieder einstecken. Damit waren wir also endlich eingereist.
Die Gepäckkontrolle verlief reibungslos und wir stiegen wieder in den Bus ein der dann auf die andere Seite der Grenze fuhr. Dort stieg ein wichtig aussehender Vietnamese in Uniform ein, um ein letztes Mal den Pass zu kontrollieren und abzugleichen ob man auch tatsächlich derjenige ist, dem der Pass gehört.
Umständlich und langwierig und sicher einfacher zu handhaben, würde jeder einfach gleich selbst mit dem eigenen Pass einreisen. Egal wie, wir waren endlich in Vietnam – aber noch lange nicht in Saigon! ;)

Die Straßen auf vietnamesischer Seite waren sofort merklich besser. Weniger Schlaglöcher, breiter und sogar halbwegs verständliche Verkehrsführung und Schilder fielen uns auf. Nach weiteren zwei Stunden voller Karaoke und Erfrierungen meinerseits erreichten wir die ersten Vororte Saigons. Wir wussten zwar grob wie die Bushaltestelle hieß, die unserer Unterkunft am nächsten liegen sollte. Doch auf Nachfragen erhielten wir keine ordentliche Auskunft wo wir gerade wären und wann wir aussteigen müssten. Letztendlich blieben wir sitzen und hofften irgendwo einfach mal ein Schild oder einen Straßennamen finden zu können. Klappte natürlich nicht ;) und so stiegen wir gezwungenermaßen an der Endstation aus …ohne auch nur den geringsten Plan zu haben, wo wir uns befanden. Wir standen in einer winzigen, dunklen Gasse, die auf unserem kleinen Stadtplan absolut nicht zu finden war und sich ein gutes Stück entfernt von unserem eigentlichen Ziel, dem District 1, befinden musste.


Es macht zugegebenermaßen nicht so richtig viel Spaß mitten in der Nacht in einen Millionenstadt wie Saigon anzukommen, mit Gepäck durch die Gegend zu ziehen und keine Ahnung zu haben wo man eigentlich ist. So versuchten wir uns durch zu fragen. Funktionierte aber auch nicht.

Tuktuks gibt’s in Vietnam leider nicht und so entschieden wir uns zu guter Letzt für die billigste und quasi einzige verfügbare Variante: Moto-Taxis. Man setzt sich einfach bei irgendwelchen Einheimischen hinten auf den Roller und lässt sich fahren.
Mir war zwischen zeitlich nicht ganz wohl dabei. Mit Backpack und Handgepäck hinten auf dem Roller… wir bekamen zwar sogar Helme, schon das ist nicht Standard, aber meiner war viiiel zu groß und so musste ich dummerweise nicht nur mich, sondern auch noch meinen Helm festhalten. Krampfhaft klammerte ich mich an den Roller und versuchte nicht herunterzufallen. Mein Rucksack fühlte sich an als würde er Tonnen wiegen und mich direkt vom Roller zerren. Ich sah mich schon wie einen Käfer auf dem Rücken mitten auf der Straße liegen :D


Wir waren wohl wirklich ein gutes Stück von unserer Unterkunft entfernt und hätten diese so auch niemals gefunden. Über 20 Minuten rasten wir durch Saigons Innenstadt… einer Stadt mit über 7 Millionen Einwohnern, in der es genauso krass zu geht auf den Straßen wie ihr euch das jetzt vllt vorstellt. Ein Roller am anderen, es wuselt und wimmelt wohin man schaut. Und wir mitten drin.
Immerhin hielten sich unsere beiden „Taxifahrer“ an unsere Vorgabe zusammen zu bleiben. Hätten sie uns in unterschiedliche Richtungen gebracht, wäre mir unwohl geworden. Doch die beiden blieben zusammen, lieferten sich das eine oder andere Rennen und setzten uns schließlich vor unserem Hotel ab.
Anfangs fühlte ich mich zwar nicht ganz wohl, während Manu natürlich einen riesigen Spaß hatte. Als die beiden aber zusammen blieben, begann die wilde Fahrt auch mir Spaß zu machen und die Stadt war schon nachts absolut sehenswert :)

Mehr zu Saigon und natürlich auch mehr Fotos im nächsten Bericht…

Montag, 13. April 2015

Floating Village – Leben auf Südostasiens größtem See

Eine weitere Besonderheit nahe Siem Reap, die wir uns nicht entgehen lassen wollten waren die sogenannten Floating Villages, die schwimmenden Dörfer. Wir ließen uns also von Kah, unserem TukTuk-Fahrer an den Tonle Sap-See fahren, der etwa 15km von Siem Reap entfernt ist.

Tonle Sap See
Der Tonle Sap ist Südostasiens größter See, zumindest während der Regenzeit, und eines der fischreichsten Binnengewässer der Erde. In der Regenzeit zwischen Mai und Ende Oktober schwillt der Tonle Sap in Kambodscha alljährlich extrem an. Lustigerweise bekamen wir unterschiedlichste Zahlen über die Ausmaße des Sees zu hören. Egal wen wir fragten oder wo wir nachlasen, jedes Mal bekamen wir andere Ergebnisse. Dadurch, dass der See sich natürlich auch nicht jedes Jahr gleich entwickelt, sondern abhängig von der Niederschlagsmenge in der Regenzeit größer wird, verändern sich eben auch die Zahlen. Ganz klar ist aber, dass dieser See enorme Ausmaße annehmen kann. Dies liegt unter anderem daran, dass Kambodscha ein sehr flaches Land ist und sich das Wasser so extrem ausbreiten kann.
Während der See in der Trockenzeit eine Fläche von lediglich ca. 2.000 km² hat, vervielfacht sich seine Größe in der Monsunzeit auf etwa 12.000 bis 14.000 km². Grund: Die Niederschläge in der Monsunzeit und das Schmelzwasser aus den umliegenden Gebirgen lassen den Wasserstand des Mekong gewaltig ansteigen. Durch den erhöhten Wasserdruck ändert sich die Fließrichtung des Tonle Sap Flusses, und zwar genau in die entgegengesetzte Richtung. Damit speist in der Regenzeit der Fluss den See und nicht umgekehrt wie in der Trockenzeit. Infolgedessen werden um die 10.000 km² der umliegenden Gebiete am Tonle Sap Jahr für Jahr überschwemmt.


Die Änderung der Fließrichtung des Tonle Sap Flusses ist einzigartig und gleichzeitig überlebenswichtig für die Bewohner der Region.
Seit Jahrhunderten sind Fischfang und Reisanbau die wesentlichen Wirtschaftszweige der ländlichen Bevölkerung Kambodschas. Außerdem sind Reis und Fisch auch die Haupt­bestandteile der Küche der Khmer. Beides wird vom jährlichen Rhythmus des Tonle Sap geprägt. Daneben garantieren die Überschwemmungen des Sees und der angrenzenden Flüsse die regelmäßige Düngung bzw. Bewässerung der ebenso wichtigen Reisproduktion für die Bevölkerung des Landes. Dieses Phänomen wird derzeit sowohl durch die bereits stattfindende starke Überfischung und den Bau von Staudämmen in Gefahr gebracht.


Genau dorthin und zu den sogenannten „schwimmenden Dörfern“ wollten wir also. Es gab zwar jede Menge vorgefertigte Touren, aber wir entschieden uns lieber auf eigene Faust mit TukTuk loszuziehen und vor Ort den Preis für eine Bootsfahrt zu verhandeln. Es war nicht viel los und so bekamen wir zu dritt ein Boot samt Fahrer. Günstig war das leider nicht, aber auf unseren Vorschlag, wir würden uns auch ein Boot mit anderen Touristen teilen, wollten sie sich nicht einlassen und verlangten immer denselben Preis – unverhandelbare 10$ pro Person… egal wie viele Leute in einem Boot wären.


Gas, Bremse und Lenkrad eines Boots
Das Boot war mit einer Art Rasenmähermotor ausgestattet und verfügte über Brems- und Gaspedal, sowie ein Autolenkrad. Sah lustig aus und war deutlich flotter als wir erwartet hätten. Unser junger Kapitän fuhr also mit uns durch einen Kanal hinaus auf den See. Zu Beginn gab es an der einen Seite noch eine Art Weg, der irgendwann einfach im Wasser endete. Überall entlang dieses Kanals gab es Kühe zu sehen, viele sahen sehr dünn aus, obwohl rundherum eigentlich alles sehr grün und bewachsen war. Schon jetzt war erkennbar, dass sich der Tonle Sap über eine enorme Fläche erstreckt. Wir waren dort kurz nach Ende der Regenzeit, die in diesem Jahr aber anscheinend viel zu trocken ausgefallen war. Dennoch musste man bereits einige Zeit durch Kanäle hinaus fahren. Büsche ragten aus dem Wasser und ließen erkennen, dass sich nach Rückgang des Wasserspiegels kein Wasser mehr hier befinden würde.

Magere Kühe

Nach einiger Zeit sahen wir die ersten Häuser. Genau genommen schwimmen nur einige der Häuser, vor allem aber die Fischfarmen, in denen Fische gezüchtet und gefüttert werden. Die meisten Häuser sind auf bis zu 10m hohen Stelzen errichtet. Daran lässt sich auch die aktuelle Wassertiefe des Sees erkennen. Viele der Bauten sind bunt bemalt, aus Holz und Bambus oder anderen natürlichen Materialien und in ganz unterschiedlichem Zustand. Manche wirken nicht allzu vertrauenserweckend ;) Insgesamt sieht es aber nach einem fröhlichen, bunten Treiben auf dem Wasser aus.

Leben auf dem Wasser


Das gesamte Leben findet auf dem Wasser statt. Für die Menschen ist das ganz normal und schon die Kleinsten paddeln mit ihren Booten zur Schule, zu Nachbarn oder zum schwim­menden Markt. Natürlich wissen auch die Bewohner dieser Dörfer wie man Geld mit Touristen verdient und so bieten viele Souvenirs und Snacks an und kommen mit ihren Booten angepaddelt, sobald sie einen entdecken.




Mit den größeren Booten gibt es keinen Zugang zum Dorf und so wurden wir am Rand des Dorfes in einem schwimmenden Restaurant abgesetzt. Natürlich sollten wir dort etwa trinken, bestenfalls sogar essen.
Für einen Aufpreis könnten wir nun auch mit einem kleineren Boot ins Dorf hineinfahren, teilte uns ein schleimig aussehender Khmer in Uniform mit. 10 Dollar wollte er dafür – wir handelten ihn auf 3 runter und wurden anschließend also in ein kleines Boot verfrachtet. Dieses sah aus wie eine Art Einbaum. Eine Frau paddelte uns nun mitten durch das Dorf. Irgendwie auch ein komisches Gefühl bei den dort lebenden Menschen quasi mitten durchs Wohnzimmer zu fahren. Da wir uns recht sicher waren, dass die Frau von diesem Geldeintreiber nicht viel Geld für ihre Arbeit bekommen würde, gaben wir ihr vorsorglich schon unterwegs ein Trinkgeld und kauften ihr ein Getränk.






Man „betritt“ eine ganze andere Welt, eine Welt fernab von Hektik und Stress. Der sich im Jahresrhythmus ändernde Wasserspiegel zwingt die Menschen zu quasi amphibischer Anpassung. Traditionelles Leben und das ruhige Plätschern der entgegenkommenden Boote bestimmen das Bild und machen die Stille noch greifbarer. Hier wird gespült, dort gewaschen, hier gekocht, während manche Männer in irgendeiner Hängematte leise hin und her schwingen oder fürs Fischen auf den See hinausgefahren sind – alles ist offen und einsehbar. Kinder spielen und während sich unsereins Sorgen macht, es könne ins Wasser fallen, ist es für die Bewohner völlig normal.
Wo man vorbeikommt – einfaches, genügsames und vor allem äußerst armes Leben in den offenen Booten oder deren Veranden. Manche der Häuser wirken zwar sehr ärmlich, andere hingegen haben sogar Strom und Fernseher, die über Autobatterien und ähnliches betrieben werden. Auch hier zeigt sich schon die Kontroverse des traditionellen und des modernen Lebens.

Einbaum-ähnliche Boote

Schon die kleinsten sind allein auf dem Wasser unterwegs

Über eine halbe Stunde paddelte uns unsere fleißige Paddlerin durch das Dorf und darüber hinaus durch den sogenannten „Floating Forest“, den schwimmenden Wald. Dieser schwimmt natürlich erst recht nicht wirklich, aber sämtliche Bäume stehen eben komplett im Wasser. Wir hörten viele Vögel singen und genossen die entspannte Atmosphäre und den kühlenden Halbschatten zwischen den Bäumen und Mangroven.


Floating Forest
Floating Forest
Nach diesem Einblick in das Dorfleben wurden wir zurück zum schwimmenden Restaurant gepaddelt, wo unser Kapitän schon auf uns wartete. Nun ging es hinaus auf den See… „gigantisch“ trifft es wohl am besten. Hätten wir nicht gewusst wo wir uns befinden, hätte man uns sicher auch davon überzeugen können auf dem offenen Meer zu sein. Wohin man schaut nur Wasser. Kein Ufer mehr zu sehen, nur noch Wasser bis zum Horizont. Nach einigen Fotos und einem Gespräch mit einer Snackverkäuferin, die mit ihrem Boot herangekommen war ging es zurück. Wir hatten uns zwar überlegt schwimmen zu gehen, bei Überlegungen war es dann aber auch geblieben.

Wasser soweit das Auge reicht
Mitten auf dem Tonle Sap See

Einen Einblick in das Leben auf dem See zu bekommen war sehr interessant, wobei sich sicher auch hier mit Eintreffen der Touristen einiges geändert hat. Das traditionelle Leben findet zwar noch statt, dennoch ist offensichtlich, dass sich viele auf den Tourismus und die damit verbundenen neuen Einkommensquellen eingestellt haben. Die meisten Erwachsenen, die einem nicht gerade etwas verkaufen wollten, ignorierten einen eher, während die Kinder neugieriger waren und uns winkend und lachend begegneten.
Für uns hatte sich dieser Ausflug wirklich gelohnt. Hatten wir zuvor sehr viel über negative Erlebnisse gelesen, bei denen Touristen in „Fallen“ gelockt, abgezockt und sogar bedroht worden sein sollten, so hatten wir wohl Glück gehabt. Uns war nichts dergleichen passiert. Klar hatten wir ein paar Dollar mehr bezahlt als wir eigentlich wollten, aber wir wurden nie bedrängt oder unfreundlich behandelt.

Windschief?! ;)



Nach zwei Wochen in Siem Reap und insgesamt vier Wochen in Kambodscha sollte es für Manu und mich nun weiter nach Vietnam gehen. Michl hatte uns ja in Richtung Thailand verlassen und wir hatten uns bereits in Phnom Penh um ein Visum gekümmert. Vietnam ist eines der wenigen Länder, bei denen man kein „Visa on Arrival“, also bei Einreise bekommt, sondern es im Vorfeld beantragen muss. So hatten wir für je 60$ unser Visum beantragt und genehmigt bekommen.
Einziger „Fehler“… als wir das Visum beantragten wussten wir noch nicht, wann wir genau nach Vietnam einreisen wollten. Auf Nachfrage wurden wir von den Beamten darüber informiert, dass zwar ein Datum eingetragen, aber anschließend jederzeit geändert werden könnte. Dumm nur, dass sie vergessen hatten uns darauf aufmerksam zu machen, dass eine Verschiebung nach hinten, also eine spätere Einreise problemlos, eine frühere Einreise aber nicht möglich ist ;) so mussten wir ohnehin noch bis zum 15. warten, da wir eben dieses Datum eingetragen hatten. Störte uns letztendlich zum Glück wenig, weil es uns in Siem Reap so gut gefiel und wir dort sowieso ein bisschen „verhockt“ waren.

Im nächsten Eintrag berichten wir euch dann von unserer etwas chaotischen Grenz­überquerung und ersten Erlebnissen in Saigon, Vietnam…

Mittwoch, 25. März 2015

Angkor Wat – Perfektion und Vergänglichkeit (Teil 2)

Weiter gehts mit unserer Tour durch Angkor Wat.


Ebenso überraschend ist der Tempel Ta Prohm, der für viele Besucher vermutlich ganz oben auf der Besichtigungsliste steht. Fast fühlt man sich in alte Zeiten zurückversetzt. Eine stumme, aber eindrucksvolle Demonstration der Stärke und Beharrlichkeit der Natur, die von dem mit Eifer geschaffenen Menschenwerk letztendlich wieder Besitz ergreift. Langsam erobert sich die Natur diesen Tempel zurück und überrascht einen schon nach wenigen Metern mit einer perfekten Dschungelatmosphäre.

Eingang zum Ta Prohm

Die Sonne verschafft sich teilweise nur mühsam einen Weg durch das Wurzel- und Blätterdickicht. Gewaltige Bäume mit riesigen Wurzeln, die teilweise bereits die dicken Mauern zerstört haben. Würgefeigen umklammern die Wände und ragen hoch hinaus. An manchen Stellen werden die Wurzeln sogar durch starke Eisenvorrichtungen gehalten, damit sie nicht noch mehr Mauerwerk zerstören können.



Ein wirklich umwerfender Anblick. Einzig gestört durch die vielen Asiaten, die sich vor jedem Baum drängten und Selfies oder andere Fotos machten. Es war kaum ein Durchkommen möglich und so entschieden wir uns gegen ein Foto im bekanntesten Baum und machten stattdessen eines in diesem Baum. Seht selbst. Macht für mich keinen Unterschied ;)




Kein Wunder also, dass dieser magische, baumüberwucherte Tempel als Schauplatz für Lara Croft, alias Angelina Jolie, im Film „Tomb Raider“ diente. Zwar hatte keiner von uns diesen Film gesehen, sich die Szenerie vorzustellen war aber keineswegs schwer. Irgendwann demnächst werden wir uns den Film vielleicht noch anschauen. Mal sehen, ob viel verändert wurde oder ob man den Schauplatz als solchen tatsächlich wieder erkennt.




Der letzte Tempel, den wir besuchten, befand sich ca. 40km nördlich von Siem Reap. Mit dem TukTuk waren wir also eine ganze Weile unterwegs. Die Landschaft war aber schön anzusehen und so wurde uns nicht langweilig. Wirklich schade, dass es TukTuks nicht in Deutschland gibt…

TukTuk-Werkstatt
Auf dem Hinweg hatten wir dann – mal wieder – einen Platten. Während Kah, der TukTuk-Fahrer einige Meter zurück zu einem kleinen Häuschen am Straßenrand fuhr, durften wir hinterher laufen. Zum Glück bietet nahezu jede Familie in ihrem Haus eine Art Flickservice an, schon auf der Fahrt hatten wir unzählige winzige, behelfsmäßige Werkstätten gesehen. Unser TukTuk-Reifen wurde also erneut geflickt und wir warteten. Wie schon beim ersten Mal wurde auch hier wieder nebenbei eine Flasche Schnaps herumgereicht. Scheint eine kambodschanische Tradition zu sein ;)



Beim Warten wurden wir erst mehr als misstrauisch von den vielen Kindern beäugt, die rund um die Hütte im Dreck spielten. Sie trauten sich nicht näher, wer weiß ob sie jemals so nahe an hellhäutige Menschen herangekommen waren?! Wir wussten es nicht, begannen aber nach einer Weile sie aus der Reserve zu locken. Meist versteckten sie sich hinter der Hüttenwand, schielten daran vorbei und zu uns, woraufhin wir mit einem „Buh“ um die Ecke sprangen. Die Freude und das Gelächter waren riesig wenn sie davon rannten. Nach und nach kamen sie immer näher und deuteten auch mehrmals interessiert auf unsere Kamera.



Die Scheu wurde schnell durch kindliche Neugier abgelöst und als wir ein erstes Foto von den Kindern machten und ihnen zeigten war die Verwirrung und Begeisterung groß. Eine ganze Weile fotografierten wir sie, zeigten ihnen jedes Bild und die Augen waren groß wenn sie sich auf dem Foto erkannten… auch unsere Sonnenbrillen mussten getragen und auf Fotos angesehen werden und besonders Manus Haare wurden für interessant befunden – einmal anfassen bitte ;)



Die Reparaturzeit verging wie im Flug und wir hatten uns, trotz Sprachbarriere, wunderbar mit den Kindern verstanden. Hände, Füße und Lachen reichen völlig um sich zu verständigen, auch wenn man kein einziges Wort in der gleichen Sprache spricht.
Ein Erlebnis, das uns nachhaltig berührt hat. Diese Kinder hatten nur wenig, zumindest sicher kein Spielzeug, waren aber trotzdem so unheimlich fröhlich und glücklich…

Spielzeug aus Müll basteln - hier eine Maske.

Danach fuhren wir weiter zu unserem eigentlichen Ziel: dem Tempel Banteay Srei, der auch als „Zitadelle der Frauen“ bezeichnet wird. Dies hat zwei Gründe, zum einen ist er aus rosa Sandstein gefertigt und über und über mit gut erhaltenen Steinmetzarbeiten verziert, zum anderen besagt die Khmer-Legende, dass ein solch wunderschönes Werk nicht von einem Mann geschaffen worden sein kann, sondern den Händen einer Frau entsprungen sein muss.

Banteay Srei
Verzierungen in jeder Säule und an jeder Mauer
Leider ist auch hier teilweise der Verfall erkennbar, der Sandstein ist häufig nicht mehr rosa, sondern eher schwarz und manche Mauern wirken nicht mehr ganz stabil. Dennoch sind die in den Stein geschnitzten Motive noch gut erhalten und wirklich viel feiner und detaillierter als in irgendeinem der anderen Tempel. Es gibt quasi keine Stelle, die nicht verziert oder bearbeitet ist. Jede Säule, jeder einzelne Stein zeigt eine enorme Arbeit und unendliche Geduld. So wirkt der kleine Tempel eher verspielt und durchaus etwas weiblich.



Hier, abseits der bekannteren Tempelanlagen, waren wir sogar beinahe allein, was dem Ende der Regenzeit und den hohen Temperaturen zuzuschreiben ist. Rund um den Tempel wurden wir wieder einmal von vielen bettelnden Kindern angesprochen. Ein Anblick an den man sich gewöhnen muss. Meistens gaben wir nichts, weil man mit ein bisschen Geld ohnehin selten wirklich hilft. Als wir aber ein verkrüppeltes Mädchen am Weg sitzen sahen, deren Gesicht entweder verbrannt oder mit Säure verätzt war und die kaum laufen konnte, da ihr ein Bein fehlte, wollten wir doch etwas geben. Das war die schlechteste Idee des Tages: sofort waren wir von mindestens 25 Kindern umringt, die uns nicht mehr loslassen wollten. Das behinderte Mädchen war aufgestanden und wankte uns hinterher. Doch für uns schien es keine andere Lösung als verschwinden zu geben. So viele bettelnde, jammernde Kinder und das arme Mädchen waren zu viel für uns. Michl war der erste der die Kurve kratzte, Manu und ich folgten gleich darauf. Es tat uns leid, wollten wir dem Mädchen doch helfen, aber mit so viel Leid, aufdringlichem Verfolgen und sogar Festhalten konnten wir nicht umgehen und verließen die Tempelanlage schnellstmöglich ohne ihr etwas geben zu können. Erst im TukTuk fühlten wir uns wieder sicher. Ein wirklich übler Moment, der uns mit einem komischen Gefühl zurückließ.



Irgendwann wars dann doch soweit… meine beiden männlichen Begleiter hatten genug von den ganzen Tempeln, Türmchen, Steinen und Mauern. So schön sie sind, irgendwann sieht dann doch jeder gleich aus. Und ich kann mich wirklich nicht beschweren, da wir drei Tage volles Tempel-Programm durchgezogen haben und sich die beiden nur ganz selten mal beschwert haben. Tja, und auch ich muss zugeben... irgendwann reichts wirklich wieder mit den ganzen Tempeln ;)


Vermutlich hatten wir während unseres Besuchs sogar noch Glück mit den Besucherzahlen. Wir mussten selten warten, die Menschenmassen hielten sich in Grenzen, wenn sie auch durchaus erkennbar waren und es wuselte nicht ganz so sehr. Wir waren eben auch zur Nebensaison dort. Direkt nach der Regenzeit, die allerdings in diesem Jahr so gut wie ausgefallen war und bei hohen Temperaturen. Aber eins ist sicher: zur Hochsaison hat man keine Ruhe mehr zwischen den Tempeln. Man wird durch geschoben und das schadet auch den Tempelanlagen. 2013 besuchten z.B. mehr als zwei Millionen Menschen die Sehenswürdigkeit. Die steinernen Anlagen bröckeln vor sich hin, überall wächst Moos und Schimmel. Teilweise haben sich auch schon Besucher durch Graffitis an den Wänden verewigt. Für uns absolut unvorstellbar, wie man ein Bauwerk von solcher Größe und Geschichtsträchtigkeit einfach beschmutzen kann. An manchen Tempeln gibt es Baustellen, es wird versucht etwas von dem einstigen Charme zu retten, aber die Bauarbeiter kommen nicht hinterher. Es scheint, als zerfalle das Bauwerk schneller, als es repariert werden kann.


Um in Angkor Wat noch einen Ort des Friedens, der Ruhe und der Spiritualität zu sehen, muss man schon viel Fantasie mitbringen. Es muss aber einmal ein überwältigender, vermutlich magischer und atemberaubend schöner Ort gewesen sein. Dennoch hat Angkor Wat uns auch heute noch fasziniert. Immer noch sind die Kleinigkeiten, die Liebe zum Detail und die einzigartige Vielfalt an Tempelbauten erkennbar und müssen mit allen Mitteln erhalten werden...

Ein Zitat (http://www.wissen.de/video/kambodscha-die-tempelanlagen-angkor-wat), das ich zufällig gefunden habe, passt wunderbar:

„Die Tempel von Angkor sind das Vermächtnis der Khmer-Zivilisation an die Welt. Wenn man etwas lernen kann an diesem historischen Ort, dann ist es Demut: Vor der Größe menschlichen Schaffens, aber auch vor seiner Vergänglichkeit.“